Wifo-Stellungnahmen am 19.10.2021 – Klimamobil und Parkraumbewirtschaftung

Wifo-Stellungnahme zum Parkraumkonzept
Zum 1.01.2022 soll (Beschluss Gemeinderat 2019) das neue Parkraumkonzept umgesetzt werden. Im UVA wird darüber am 20.10.2021 und im Gemeinderat am 25.10.2021 beraten. In der SZ wurde am 4. 10.2021 über die Sitzung des Klimarats berichtet. Dieser empfiehlt deutliche Erhöhungen bei den Parkgebühren um die Ziele aus dem Klimakonsens erreichen zu können. Die Gemeinderatsfraktion der Grünen fordert mit Antrag vom 31.05.2021 die rasche Umsetzung der Ausweitung der Parkraum-bewirtschaftung. Die Innenstadt steht durch Corona stark unter Druck, verstärkt durch Digitalisierung und Online-handel sowie durch verändertes Kunden- und Kaufverhalten. Der Bedarfskauf nimmt zu, bei Textil und Schuhe hat der Onlinehandel einen Anteil von rund 40%. Das 12 Punkte Programm der Stadt Ravensburg unter Einbeziehung des Wifo ist ein wichtiges Maßnahmenbündel, um die Innenstadt lebendig und attraktiv zu erhalten.

Eine gute Erreichbarkeit ist die zentrale Voraussetzung für Frequenz und damit für eine lebendige Stadt. 70% des Umsatzes im Ravensburger Handel kommt aus der Region, davon profitiert auch die Gastronomie. Die Erreichbarkeit muss für alle gewährleitet und erschwinglich sein, dies ist auch eine soziale Frage. Die im Klimarat vorgeschlagenen Maßnahmen zum Parken in Ravensburg wirken direkt auf die Erreichbarkeit der Innenstadt und werden zu einer intensiven Diskussion in der Stadtgesellschaft und in der Wirtschaft führen. Diese Diskussion wird längst auch in der Region wahrgenommen.

Wifo fordert: Ravensburg hat ein gutes Parkangebot mit über 2500 Parkplätzen in den Park- und Tiefgaragen. Die Parkgebühren in den städtischen Parkhäusern müssen attraktiv bleiben und wegen der geforderten Lenkungswirkung gegebenenfalls auch gesenkt werden. Oberirdisches Parken in der Altstadt soll deutlich teurer werden: 1 Euro je angefangene 30 Minuten. Diese Lenkungswirkung in die Parkhäuser ist grundsätzlich richtig, attraktive Parkgebühren in den Tiefgaragen sind dafür die Voraussetzung. Die Höchstparkdauer soll auf 30 Minuten in der Oberstadt, auf 60 Minuten in der Unterstadt begrenzt werden. Die Möglichkeit, schnelle Besorgungen auch mit dem Auto in der Altstadt zu erledigen, ist für viele Kunden nach wie vor wichtig. Einige Städte bieten deshalb die „Brötchentaste“ an. Die Taktung der Parkzeiten soll deshalb in 10 Minuten Schritten erfolgen, das Handyparken kann diese Lösung unterstützen. Die Bewirtschaftungszeiten von 9-20 Uhr von Montag bis Freitag sollten zur Stärkung der Gastronomie auf 9-18 Uhr festgelegt werden. Die Parkmöglichkeiten im Außenbereich sollen ebenfalls deutlich erhöht werden: 2022 auf 0,30 € je angefangene halbe Stunde, mit Steigerung bis 2025 auf 1 Euro. Die Gebührenerhöhung bei diesen Parkzonen ist zu hoch, sie sind wichtig für Beschäftigte und für Kunden der Innenstadt, die bereit sind eine längere Distanz zu Fuß in die Innenstadt in Kauf zu nehmen.

Die Bewirtschaftung der Kuppelnau wurde vom Gemeinderat im Grundsatz beschlossen. Die geplanten Parkgebühren sind für das Wifo nicht akzeptabel, davon wären vor allem die Beschäftigten bei Handel und Gastronomie der Innenstadt betroffen. Ein Tagesticket von 4 Euro und ein Monatsticket für 48 Euro ist für die Mitarbeiter*innen eine viel zu hohe Belastung, die auch Auswirkungen auf die Wahl des Arbeitsplatzes in der Innenstadt hat. Kostenlose Parkplätze auf dem Gelände der Oberschwabenhalle als Alternative bedeuten einen deutlich längeren Fußweg zur Innenstadt, der vor allem in der dunklen Jahreszeit problematisch ist. Ab 2023 sind dynamische Parkgebühren in Abhängigkeit von der Auslastung in den Parkhäusern im Gespräch. Eine gute Auslastung, wie an Samstagen, hätte höhere Parkgebühren zur Folge. Mit Blick auf das Klimamobil- Konzept und die gewünschte Lenkungswirkung müssen die Parkgebühren in den Parkgaragen an allen Tagen attraktiv ausgestaltet werden.

Klimamobil: Alt- und Bahnstadt wachsen zusammen – Mobilität in Ravensburg klimafreundlich neugestalten
Der Vorstand des Wirtschaftsforums Pro Ravensburg stimmt dem Konzept Klima Mobil im Grundsatz zu, fordert aber gleichzeitig ein umfassendes Frequenzkonzept als entscheidenden Beitrag zu einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung im Bereich der Innenstadt. Flankierende zusätzliche Maßnahmen sind aus Wifo Sicht unabdingbar: Die im Rahmen vom Klimakonzept geplanten Buslinienführungen müssen kundenfreundlich optimiert werden. Die Bushaltestellen im Hirschgraben, Olgastraße, Karlstraße, Schussenstraße müssen nutzerfreundlich konzipiert, leicht zugänglich und in kurzer Distanz zur Innenstadt sein.
Eine neue Bushaltestelle muss am Knotenpunkt Schussenstraße/Gartenstraße auf der Südseite der Schussenstraße (am Kreuzbrunnen) angelegt werden, damit die Fahrgäste ohne Straßenquerungen direkt in die Altstadt aufsuchen können. Die derzeitige Bushaltestelle am Frauentorkino wäre im neuen Buskonzept nicht nutzerfreundlich.

Der Verkehr aus der Olgastraße in Richtung Karlstraße darf durch die geplante Ampelschaltung für die Buslinie 3, (gegen die Fahrtrichtung in den Hirschgraben) nicht behindert werden. Bei der Testphase im Winter 2019 entstanden häufig Staus.
Der geplante On-Demand-Shuttle muss die ganze Altstadt, insbesondere die Oberstadt erschließen, er muss kostenlos und bequem nutzbar sein. Die Herausnahme der Buslinien aus der Innenstadt wird die Aufenthaltsqualität auf dem Marienplatz und in der Bachstraße steigern. Gleichzeitig sind für dem nördlichen Marienplatz spürbare Frequenz-rückgänge zu befürchten mit negativen Auswirkungen auf Handel und Gastronomie. Den Frequenz-rückgängen muss durch qualitätsvolle Gestaltung, Veranstaltungen und Projekte entgegengewirkt werden. Die Fertigstellung der Bauhütte und die Neugestaltung des Holzmarkts sind ein wichtiger Baustein für mehr Attraktivität und Frequenz (neue Musikschule) auf dem nördlichen Marienplatz. Die dauerhafte Umsetzung des Klimamobils sollte erst nach Abschluss dieser Baumaßnahmen erfolgen.

Die Parkplätze in der Unterstadt und Oberstadt dürfen nicht weiter reduziert werden. Sie sind ein wichtiger Teil der Gesamterreichbarkeit der Innenstadt. Die Parkmöglichkeiten in der Unterstadt müssen über die Begegnungszone Karlstraße weiterhin gut erreichbar bleiben. Die Umgestaltung des Gespinstmarktes zur Fußgängerzone ist abgeschlossen. Überlegungen für weitere Fußgängerzonen in der Oberstadt und Unterstadt lehnen wir ab. Die Burgstraße muss weiterhin auch für Autos in beiden Richtungen befahrbar bleiben. Die geplante neue Verkehrsführung in der Karlstraße und Georgstraße hat vielfältige Auswirkungen auf den gesamten Stadtverkehr. Eine sechsmonatigen Testphase wird vom Wifo ausdrücklich begrüßt unter Einbindung aller Anspruchsgruppen. Zuvor ist eine umfassende Verkehrssimulation notwendig um die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen auf den Stadtverkehr gründlich analysieren zu können. Das Wifo bringt sich weiterhin aktiv in die weiteren Planungen und Abstimmungsprozesse zum Klimamobil ein.