Neugestaltung Gespinstmarkt (Auszug SZ, Frank Hautum 8.10.2019)

Das Wirtschaftsforum Pro Ravensburg macht sich große Sorgen um die Innenstadt: Der Umsatz bei den Händlern im historischen Zentrum geht derzeit deutlich stärker zurück als in vergleichbaren anderen Kommunen, sagt Vorstandssprecher Thomas Reischmann. Dazu gebe es immer mehr Leerstände in den Geschäften. Die entstandenen Lücken würden immer häufiger Wettbüros, Nagelstudios und Imbisslokale füllen. Angesichts dieser Entwicklung warnt das Wifo vor „Schnellschüssen beim Verkehrskonzept“ und kritisiert die Pläne der Stadtverwaltung, den Gespinstmarkt zu einer reinen Fußgängerzone zu machen.

Wie die SZ berichtete, will die Verwaltung den Platz in der Oberstadt, der von Januar 2020 an umfassend saniert werden soll, autofrei gestalten. Die in den ersten Entwürfen noch angedachten acht bis zehn Parkplätze (von derzeit 20) sollen zugunsten der Aufenthaltsqualität wegfallen. Dafür hat sich auch Oberbürgermeister Daniel Rapp mehrfach öffentlich stark gemacht. Wolle man den Gespinstmarkt aufwerten, mit offenem Wasserlauf, vielen Sitzmöglichkeiten und Raum für die Außengastronomie, dann gebe es keine Möglichkeit mehr, hier Autos abzustellen. Am Mittwoch (16.30 Uhr) berät der Ausschuss für Umwelt und Technik, am 21. Oktober beschließt der Gemeinderat.
Das Wifo, das sich als Stimme der Wirtschaft in Ravensburg definiert, sieht angesichts der Online-Konkurrenz die gute Erreichbarkeit der Innenstadt als genauso wichtig an wie eine hervorragende Aufenthaltsqualität. Dabei müssten alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt behandelt werden, sagten Reischmann und sein Vorstandskollege Florian Burk in einem Pressegespräch am Montag. In einem Positionspapier des Wifo heißt es aber wörtlich: „Für das Wifo hat der Individualverkehr nach wie vor höchste Priorität.“ Noch sei das Angebot im ÖPNV nicht attraktiv genug, um die Kunden mit dem Bus nach Ravensburg zu locken. Das jedoch sei ein entscheidender Punkt, schließlich verdiene der Handel im Zentrum nur zu knapp 25 Prozent sein Geld mit Kunden aus Ravensburg. Der Großteil des Umsatzes komme aus Geschäften mit Besuchern aus der Region – und die kämen mit dem Auto.

Was die Pläne zum Gespinstmarkt betrifft, fordert das Wifo, jetzt nicht vorschnell ein Verkehrskonzept für einen kleinen Teil der Stadt zu beschließen, bevor es nicht einen Plan für das gesamte Zentrum gebe. Der Gemeinderat soll also zunächst regeln, wie und wann umgebaut wird. Über die Frage Fußgängerzone oder Verkehrsberuhigter Bereich mit Kurzzeitparkplätzen soll erst später beraten werden, wenn es ein generelles Verkehrskonzept und einen breiten Konsens gebe. „Da habe ich noch nichts Schlüssiges gesehen“, so Thomas Reischmann, der auch sagt: „Man muss vorsichtig sein, wie man mit dieser Arterie der Stadt umgeht.“

Nicht alle Wifo-Mitglieder seien allerdings gegen eine Fußgängerzone am Gespinstmarkt, räumt Reischmann ein. „Aber die anliegenden Geschäfte sind es alle.“ Das bestätigt Geschäftsführer Eugen Müller: „Gerade heute Morgen gab es eine Sitzung der Betroffenen. Erich Lange vom Musikhaus beispielsweise sagt, er sei extrem abhängig von den Kurzzeit-Parkplätzen. Schuh-Simon und der Bauernmarkt sehen das auch so.“ Wie auch immer der Gemeinderat entscheidet: Die Bauzeit am Gespinstmarkt wird gut zwei Jahre dauern. Das Wifo hat vorsorglich schon einmal Forderungen aufgestellt, damit die Geschäfte in dieser Phase erreichbar bleiben. So soll die Zufahrt auf den Marienplatz von der Kirchstraße zwischen 8 und 20 Uhr möglich sein. Dort, wo jetzt die Taxen auf dem Marienplatz stehen, soll es sechs bis acht Kurzzeitparkplätze geben. Die Taxen müssten auf „zwei, drei neue Standorte in der Innenstadt verteilt“ werden. Das Wifo fordert zudem für alle Kurzzeitparkplätze auch in der Oberstadt 30 Minuten Parkzeit und die Ausweitung des 1-Euro-Busses auf alle Wochentage. Einen Euro soll auch die Fahrt mit dem neuen Nachtbus kosten. Und schließlich: Die Marktstraße müsse weiterhin befahrbar bleiben und dürfe nicht zur Fußgängerzone werden.